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Der Covid-19-Shutdown war sicherlich das beherrschende Thema im März und wir gehen davon aus, dass die Auswirkungen noch viel gravierender und länger anhaltend sein werden, als dies aktuell von den meisten Marktteilnehmern erwartet wird. Gemäß Schätzungen des IFO Instituts führt ein derartiger Shutdown nach 2 Monaten zu einem Rückgang der Wirtschaftsleistung von 7 bis 11% und nach 3 Monaten von 10 bis 20%. Das wahre Ausmaß wird man aber erst nach Beendigung der Restriktionen beurteilen können. Gleichzeitig sehen wir von Seiten der Notenbanken und Regierungen weltweit eine bespiellose Flutung der Märkte mit Liquidität, um einen systematischen Zusammenbruch zu verhindern. Diese Gelder werden nach einer Normalisierung der Konjunktur extrem inflationär wirken, da es sich aktuell im Vergleich zu bspw. 2008 nicht um die Auswirkungen einer Banken- und Immobilienkrise handelt, sondern alle Sektoren betrifft. Es dürfte den Notenbanken insofern extrem schwer fallen die massive Liquidität nach einer Normalisierung wieder abzuschöpfen. Die Ampeln für steigende Gold- und Silberpreise in den kommenden Monaten stehen daher auf hellgrün.
Die Coronakrise selbst macht dabei aktuell auch keinen Halt vor dem Minensektor. So wurden über die vergangenen Wochen in mehr und mehr Ländern und Regionen die Minen dazu angehalten die Produktion herunterzufahren oder auf das Nötigste zu reduzieren. Als Letztes traf es nun auch die Minen in Mexiko, welche als nicht essenzielle Unternehmen den Betrieb einstellen mussten. Wir sehen die vorrübergehenden Stilllegungen als nicht dramatisch an, solange die Unternehmen über entsprechende finanzielle Mittel verfügen ihren Verpflichtungen für die kommenden 12 bis 18 Monate nachkommen zu können. Das Portfolio haben wir diesbezüglich wetterfest gemacht und unsere Unternehmen sollten selbst bei einer längerfristigen Stilllegung des Sektors in keine finanziellen Probleme geraten. Unser Fokus liegt derzeit auf den Unternehmen, welche voraussichtlich weiterhin geöffnet bleiben werden, sowie den finanzstarken Unternehmen, welche gestärkt aus der aktuellen Situation hervorgehen sollten und von den steigenden Rohstoffpreisen am stärksten profitieren sollten. Dabei sei auch noch angemerkt, dass insbesondere ein Ausfall der Silberproduktion über mehrere Wochen oder Monate erheblichen Einfluss auf den Preis haben dürfte. Wir sehen aktuell einen extremen Anstieg der Investmentnachfrage nach Silber und Gold, welcher den Rückgang der Nachfrage nach Silber aufgrund der gesunkenen Nachfrage aus der Wirtschaft mehr als kompensieren dürfte. Eine stabile Silbernachfrage dürfte folglich in den kommenden Monaten auf ein deutlich reduziertes Angebot treffen. Wir haben aus diesem Grund unser Silberexposure deutlich nach oben gefahren und bei einigen der wenigen aussichtsreichen Unternehmen die Panik für günstige Einstiegskurse genutzt.

Der Lithiumsektor konnte sich der Panik infolge von Covid-19 leider nicht entziehen und die Aktienkurse litten zusammen mit den allgemeinen Aktienmärkten. Die Aussichten auf eine relativ rasche Erholung stehen bei den Lithiumunternehmen allerdings relativ gut, da die chinesischen Raffinerien als der Hauptabnehmer für bspw. das australische Lithium bereits deutlich weiter fortgeschritten sind in der Corona-Krise als Europa oder Nordamerika. So laufen die Raffinerien in China bereits langsam wieder an und wir sahen für den vergangenen Monat zum ersten Mal seit Mai 2018 wieder einen steigenden Preis für Lithiumhydroxid in China. Wir erwarten, dass die Preise in den kommenden Monaten noch weiter ansteigen, denn während der Markt für Autos mit Verbrennungsmotoren bereits im vergangenen Monat eingebrochen ist, ist der Markt für Elektroautos und Hybridfahrzeuge insbesondere in Europa weiter am Wachsen. In Deutschland stiegen bspw. seit Jahresbeginn die Zulassungszahlen für Hybridfahrzeuge um 62% und für Elektroautos um über 55%. Der Covid-19-Shutdown wird unserer Ansicht nach evtl. zu Verzögerungen oder einer einstweiligen Delle bei der Elektromobilität sorgen, am langfristigen Trend wird sich allerdings nicht ändern.
Eine evtl. geringere Nachfrage wird darüber hinaus mehr als wettgemacht durch den Produktionsstopp sämtlicher Lithiumprojekte in Südamerika. Insbesondere bei Brine Projekte, d.h. der Gewinnung von Lithium aus ausgetrockneten Salzseen bedeutet ein vorrübergehender Produktionsstopp nicht nur den Verlust der Zeit in welcher das Projekt nicht in Produktion ist, sondern es benötigt eine sehr lange Zeit um die Produktion wieder auf das vorherige Niveau nach dem Neustart zu bringen. Auch der vorrübergehende Stopp sämtlicher Expansionen und neuen Projekte wird zu erheblichen Zeitverzögerungen führen, so dass es noch unwahrscheinlicher (sofern es je überhaupt möglich gewesen wäre) wird den Bedarf für Lithium in den kommenden Jahren adäquat bereitzustellen.
Eine zusätzliche nicht zu unterschätzende Folge von Covid-19 ist darüber hinaus, dass der bereits bestehende Trend der Industrie sich unabhängiger von China zu machen durch die Krise sicherlich neu angeheizt werden wird und es zu einem verstärkten Ausbau der Batteriekapazitäten in Europa in den kommenden Monaten und Jahren kommen wird, was zusätzlichen Wettbewerb und damit seigende Preise für Lithium nach sich ziehen wird.