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Tesla’s Vorstand Elon Musk unterschrieb in dieser Woche einen Vertrag über die größte je gebaute Lithiumbatterie in Australien. Er ging eine Wetter mit Milliardär Mike Cannon-Brookes es und muss diese weltgrößte Batterie mit 100 MW innerhalb von 100 Tagen liefern. Wir sind gespannt, ob er es schaffen wird.

Die neue Batterie wird für 30.000 Haushalte im Süden Australiens eine Notstromversorgung bereitstellen. Der Süden Australiens hat sich im Gegenzug zum Rest Australiens dazu entschieden aus der Kohle auszusteigen und setzt zur Energiegewinnung nahezu ausschließlich auf regenerative Energien und insbesondere auf Wind. Aufgrund von Überlastungen kam es in den vergangenen Monaten jedoch wiederholt zu Stromausfällen. Im September waren sogar fast 2 Millionen Einwohner ohne Strom! Einige von ihnen für über 2 Wochen! Notfallspeichersysteme sind also mehr als dringend notwendig und eröffnen Tesla nun auch den Zugang zu einem weiteren sehr aussichtsreichen Markt, der dezentralen privaten Stromspeicherung.

Diesen erfreulichen Nachrichten auf der Nachfrageseite für Lithium Kobalt und weitere Rohstoffe, welche zum Bau einer Lithium-Ionen-Batterie benötigt werden steht ein Dilemma auf der Angebotsseite bei Lithium entgegen. Wie wir berichteten steigt die Nachfrage nach Lithium exponentiell und wir denken die ersten Prognosen, welche von bis zu 1 Mio Tonnen Lithiumbedarf bis 2025 ausgehen erscheinen nicht unrealistisch sofern die Prognosen der Automobilhersteller nur zur Hälfte stimmen und eintreten. Um die Produktion von aktuell 200.000 Tonnen auf eine Mio Tonnen zu verfünffachen benötigt die Branche ein kleines Wunder. Denn, neben mangelnden Investitionen ist es insbesondere das fehlende ausgebildete Personal das der Industrie Kopfzerbrechen bereitet. Auf der letzten Messe in New York haben wir uns zu diesen Punkten ausführlich mit den Brancheninsidern unterhalten und die Antworten stimmten uns nicht sehr positiv. Es werden massive Investitionen benötigt und diese sind aktuell weit und breit nicht zu sehen.

Insider sprechen von Investitionsgrößen von 3 bis 5 Mrd. um die Produktion auf 500.000 Tonnen Lithium zu erweitern. Hinzu kommt, dass die Genehmigungsverfahren in einzelnen Provinzen insbesondere in Argentinien sehr lange dauern und von dieser Seite eher mit negativen Überraschungen zu rechnen sein wird. Nichtsdestotrotz ist Argentinien der absolute Schwerpunkt der großen Unternehmen für künftige Projekte. Neben Argentinien ist sicherlich der Nachbar Chile eines der interessantesten Länder weltweit für neue Vorkommen. Wie problematisch die Versorgung derzeit bereits gesehen wird, wurde einmal mehr deutlich, als nach der Präsentation des staatlichen chilenischen Unternehmens Corfu eine Delegation aus China ein offizielles schriftliches Angebot für mögliche Joint Ventures oder aber Projektübernahmen übergeben durfte. Eine skurrile Situation welche ich in 16 Jahren noch nicht gesehen hatte und auch noch nicht gehört hatte. Ein offizielles chinesisches Regierungsangebot vor über 100 Brancheninsidern zu übergeben. Es muss schon ein gehöriges Maß an Verzweiflung herrschen um zu diesem Schritt zu greifen und zu versuchen öffentlich Druck auf die chilenische Regierung zur Vergabe weiterer Projektlizenzen auszuüben. Normalerweise werden derartige Angebote still und heimlich abseits der breiten Öffentlichkeit erbracht.

Neben den bisher mangelnden Investitionen, Verzögerungen bei den Genehmigungsprozessen sowie den langen Anlaufzeiten neuer Projekte (Bei Brines bis zu 2 Jahre vom Produktionsbeginn bis zum ersten Verkauf von Lithium), ist es insbesondere der Mangel an entsprechenden Fachkräften, welcher ein erhebliches Problem für den gesamten Lithiumsektor über die kommenden Jahre darstellen wird.
Wie kompliziert die Verarbeitung von Lithium ist, konnten wir direkt im Anschluss der Messe bei einem Projektbesuch bei Nemaska erkennen. Es gibt keine standardisierte Gewinnungsmethode und es erfordert umfangreiches Know How die unzähligen einzelnen Schritte zur letztendlichen Separierung und Gewinnung von Lithium durchzuführen. So imposant das Pilotprojekt von Nemaska war, so sehr hat es uns einmal mehr vor Augen geführt, dass es selbst für diese Experten eine gigantische Herausforderung ist, das Lithium nach einem langwierigen Prozess letztendlich zu gewinnen. Für einen Neuling im Lithiumsektor ein vollkommen unmögliches Unterfangen. Insofern sehen wir im Gegensatz zu vielen anderen Investoren nicht die fehlenden Investitionen als Bottleneck sondern die qualifizierten Experten als den entscheidenden Faktor. Es gibt mehr als genügend Lithium auf unserem Planeten, dennoch sehen wir eine enorme Verknappung auf uns zukommen und es wird weitere 5 bis 7 Jahre dauern, bis die Produktion mit der Nachfrage schritt halten wird.

Nach dieser skurrilen Situation erschien mir auch die vorherige Diskussion über die Kapazitäten zur Herstellung von batteriefähigem Lithium in einem anderen Licht. Ohne jetzt hier auf die chemischen Details eingehen zu wollen, müssen Sie wissen, dass insbesondere die australischen Produzenten meist nur unfertiges Lithiumkonzentrat nach China schiffen, wo es dann in für die Batterieherstellung benötigtes Lithiumhydroxid umgewandelt wird. Wurde uns zunächst von verschiedenen Seiten bestätigt, dass es genügend Kapazitäten in China zur Umwandlung gibt, hegen wir nun zumindest geringe Zweifel ob dies wirklich der Fall ist.